119 Pflanzenarten auf dreihundert Quadratmeter

Vegetationskundliche Untersuchungen der Riedstädter Stromtalwiesen sind abgeschlossen

Die Botanikerin Dr. Dorota Michalska-Hejduk bei der diffizilen Arbeit
Die Botanikerin Dr. Dorota Michalska-Hejduk bei der diffizilen Arbeit
Beispiel für die große Artenvielfalt: Wiese mit Bastard-Schwertlilie
Beispiel für die große Artenvielfalt: Wiese mit Bastard-Schwertlilie

Die seit dem 20. Mai auf den Stromtalwiesen durchgeführte wissenschaftliche Erfolgskontrolle (wir haben berichtet) ist abgeschlossen. Die Botanikerin Dr. Dorota Michalska-Hejduk von der Universität Lodz/Polen hat in der vier Wochen andauernden Untersuchung die Vegetation auf insgesamt 150 jeweils zehn mal zehn Meter großen Dauerbeobachtungsflächen kartiert.  

Dies beinhaltete die Erfassung aller auf diesen Flächen wachsenden Pflanzenarten sowie die Bestimmung des Flächenanteils, den die verschiedenen Pflanzenarten auf der Fläche einnehmen („Bedeckungsgrad“). 120 dieser Dauerbeobachtungsflächen waren bereits mit Beginn des Stromtalwiesenprojektes in den Jahren 2000 und 2001 angelegt und zuletzt im Jahr 2008 kartiert worden. Da aber auch nach 2001 noch in erheblichem Ausmaß neue Renaturierungsflächen dazu gekommen sind, legten der Riedstädter Projektleiter Matthias Harnisch und Dr. Tobias Donath von der Justus-Liebig-Universität Gießen zusätzlich 30 neue Dauerbeobachtungsflächen fest, damit auch die Vegetation auf diesen neueren Renaturierungsflächen wissenschaftlich genau erfasst werden kann. Die 150 Dauerbeobachtungsflächen verteilen sich über die gesamte Fläche der Riedstädter Stromtalwiesen in den Gemarkungen von Erfelden und Leeheim und bilden damit einen Querschnitt der Wiesen ab.  

Zusätzlich zu den intensiv untersuchten Flächen hat Michalska-Hejduk noch die Vegetation auf zehn weiteren Renaturierungsflächen erfasst, wobei hier das Artenspektrum auf der gesamten Fläche - also nicht nur einem repräsentativen Teilbereich von 100 Quadratmeter -, nicht aber der Deckungsgrad kartiert wurden. Die Rohergebnisse dieser intensiven Arbeit liegen nun vor und werden bis zum späten Herbst dieses Jahres von den drei beteiligten Fachleuten wissenschaftlich aufbereitet.  

Bereits jetzt aber lässt sich feststellen, dass die Ergebnisse alle Erwartungen übertreffen und die seit dem Jahr 2000 in Riedstadt geschaffenen Stromtalwiesen auch heute noch überaus artenreich sind. Insgesamt wurden 193 verschiedene Pflanzenarten bei der Kartierung gefunden, davon über 30 Arten der Roten Listen.  

Das Maximum erreicht eine Renaturierungsfläche aus dem Jahr 2006, wo 119 Arten auf 300 Quadratmeter gezählt wurden. Zum Vergleich: man spricht bereits ab einer Artenzahl von 25 bis 50 von einer artenreichen Wiese. Durchschnittlich finden sich auf den Riedstädter Stromtalwiesen 42 Arten je 100 qm.  

Die Botanikerin, die das Riedstädter Projekt durch Vorträge auf internationalen Konferenzen kennen gelernt hatte, sagte abschließend, dass sie das Projekt von den Vorträgen her zwar durchaus interessant gefunden hätte. Vom großen Erfolg ihrer Kartierung war sie jedoch mehr als überrascht und begeistert.  „Ich ziehe meine Hut davor, mit welcher Konsequenz und in welchem Umfang hier in Riedstadt äußerst artenreiche Wiesen in einem relativ kurzen Zeitraum wiederhergestellt wurden“, so die Expertin. Wiesen, die den Vergleich mit den in ihrem Heimatland Polen noch vorhandenen alten artenreichen Wiesen nicht scheuen müssten.  

Finanziert wird das aufwendige Kartierungsprojekt in Riedstadt durch eine Spende der Fraport AG aus deren Umweltfonds. Im April hatte der Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers, Dr. Stefan Schulte, für diesen speziellen Zweck einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro übergeben (wir haben berichtet).  

Für Rückfragen zum Themenbereich Stromtalwiesen steht der Projektleiter Matthias Harnisch im Riedstädter Rathaus (Telefon 06158 181-322, E-Mail: m.harnisch(at)riedstadt.de, Zimmer 302 im 3. Stock) gerne zur Verfügung.  

Mehr Informationen zum Naturschutzprojekt der Stromtalwiesen unter "Umwelt und Natur" / "Natur und Landschaft" in der Rubrik "Leben in Riedstadt".