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Spitze Feder des Satirikers

BüchnerBühne zeigt am 2. April „Büchners Aretino“

Die Schauspielerin Ursula Stampfli in der Rolle an Marchesa Isabella d´Estee
Marchesa Isabella d´Este (Ursula Stampfli)

Die BüchnerBühne Riedstadt präsentiert das Theaterstück des Büchner-Kenners Jan-Christoph Hauschild „Büchners Aretino“ am Samstag, 2. April, um 19:30 Uhr in ihrem Theater in der Kirchstraße 16.  

Georg Büchner verfasste in seinem kurzen Leben mit absoluter Sicherheit drei Dramen und eine Novelle, die allesamt festen Platz in den Spielplänen der Theater haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit beschäftigte sich Georg Büchner kurz vor seinem Tod mit dem Mittelalter und dem Schriftsteller Pietro Aretino. Aber ist daraus ein weiteres Drama entstanden? Diese viel diskutierte Frage der Forschung wird unbeantwortet bleiben. Gerade deswegen ist das Theaterstück des wohl renommiertesten Büchner-Experten Jan-Christoph Hauschild von so großer Bedeutung.  

Die Handlung spielt im Rom des Jahres 1522. Der tägliche Kampf um die Grundbedürfnisse gebiert ein allgemeines Sündenbewusstsein. Die Menschen leben in Furcht und Schrecken vor den Strafen, die sie im Jenseits erwarten. Geschäftstüchtige Politiker und religiöse Fanatiker wissen dies in einträgliche Bahnen zu lenken, das Ablasswesen blüht.  

Die spitze Feder des Satirikers Aretino mit dem Motto "Veritas odium parit“ („die Wahrheit brütet Hass aus)" macht ihn beim Volk und bis in die höchsten Kreise berühmt. Doch ein System, das davon lebt, den einzelnen in wirtschaftlicher, politischer und geistiger Abhängigkeit zu halten, kann dies nicht lange dulden.  

Die Inszenierung der BüchnerBühne stellt zunächst die Frage, was Georg Büchner an der historischen Figur Pietro Aretino gefesselt und zum Schreiben eines Stückes bewegt haben könnte. Der drastische, prärealistische und volksnahe Ton von Aretinos Komödien sowie seiner „Kurtisanengespräche“ („Ragionamenti“) wird Büchner ebenso fasziniert haben wie dessen programmatisches Bekenntnis zur Naturwahrheit der Kunst, sein politischer Anspruch ebenso wie seine korrupte Ehrlichkeit.  

Vielleicht zeigt sich hier die enge Anbindung an Büchners eigenes Dilemma, welches er im sogenannten „Fatalismus-Brief“ an seine Geliebte formuliert: Der Mensch könne nicht aktiv in den alles verschlingenden Prozess der Geschichte eingreifen, sondern sei lediglich deren Spielball, der Einzelne nur „Schaum auf der Welle“.  

In Zusammenarbeit mit dem Autor Jan-Christoph Hauschild ist bereits 2014 die Uraufführung an der BüchnerBühne entstanden. Diese Kooperation wird in der Neuinszenierung fortgesetzt, die im Oktober letzten Jahres Premiere feierte; die Wiederaufnahme in den Spielplan ist eine Herzensangelegenheit für Bühne und Autor.  

Die Produktion will Büchner und Aretino zum Vorbild nehmen für ein Plädoyer, die Fragen nach Werten, Wahrheit und Menschenrechten auch zukünftig nicht nur den Mächtigen zu überlassen.  

Karten für 18 Euro sind wie üblich im Vorverkauf online über den Ticketshop  und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Buchhandlungen Bornhofen in Gernsheim und Faktotum in Wolfskehlen, die Infothek des Landratsamtes in Groß-Gerau sowie „Florales & Handgemachtes“ in Goddelau, Weidstraße 5 F sind weiterhin örtliche Vorverkaufsstellen des Veranstalters.