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„Die Franzosen haben die Ruhe weg“

Géraldine Beltramelli berichtet mit viel Humor aus dem Leben in der französischen Partnerregion Brienne-le-Château

Géraldine Beltramelli steht an einem Rednerpult mit Mikrofon, hinter ihr ist ein Teil der französischen Flagge zu sehen.
Géraldine Beltramelli beschrieb lebendig das Leben in Brienne-le-Château.

Das war natürlich ein Scherz. „Mesdames et messieur, chers amis, bonsoir à tous!“, begrüßte Géraldine Beltramelli ihre Gäste in der Christoph-Bär-Halle und verkündete augenzwinkernd: „Der Vortrag ist auf Französisch!“ War er selbstverständlich nicht, sondern schon zu Beginn ein kleines Beispiel für die heitere Unbeschwertheit ihrer Landsleute in vielen Lebenslagen, die die Französin aus Riedstadts Partnerstadt Brienne-le-Château und Region an diesem Abend vermitteln wollte.  

In der kleinen Frankreich-Reihe, die das Kulturbüro und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Büchnerstadt Riedstadt mit der Kreisvolkshochschule Groß-Gerau veranstaltet, berichtete Beltramelli abwechslungsreich und gewürzt mit kleinen Anekdoten über das Leben in der Partnerregion, die nicht nur aus Brienne-le-Château, sondern 13 weiteren kleinen Ortschaften besteht, manche mit gerade mal etwas über 300 Einwohnern. Untermalt wurde der Vortrag mit vielen Fotos von Harald Benz, dem früheren Kulturamtsleiter und begeisterten Hobbyfotografen, der auch jetzt noch sehr aktiv in der Verschwisterung mit Brienne-le-Château und Region ist.  

Den Nachnamen hat sie von den aus Italien stammenden Großeltern, sie selber kam 1984 durch die Verschwisterung nach Riedstadt, arbeitet seit 22 Jahren in der Stadtverwaltung und sagt doch voller Überzeugung „Ich bin Französin. Schon immer gewesen und geblieben.“ Seit 37 Jahren fährt Géraldine Beltramelli alle vier bis sechs Wochen nach Brienne und besucht ihre Familie. Dort passiert es ihr schon mal, dass sie eine halbe Stunde vor Ladenschluss vor dem geschlossenen Supermarkt steht und ihre Schwester nur lakonisch feststellt: „Das ist normal – wenn keiner mehr da ist, machen sie einfach zu.“ Und unter dem Gelächter ihres Publikums konstatiert sie: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Rewe in Erfelden eine halbe Stunde früher zumacht. Die Franzosen haben da die Ruhe weg.“  

Urlaub machen kann man in dieser Region in der Champagne hervorragend, berichtet Beltramelli, gibt viele Tipps für kleine und große Reisende und hat an diesem Abend auch einige Prospekte zum Mitnehmen mitgebracht.  

Doch da es in dieser landwirtschaftlich geprägten Region kaum Arbeit gibt, sind viele Menschen weggezogen, die Bevölkerung ist generell älter geworden. Der Ort Brienne-le-Château hat heute 2.700 Einwohner, als Beltramelli dort gelebt hat, waren es noch mehr als 4.000, erzählt sie. Es gibt keine Fahrradwege und wenn überhaupt nur sehr schlechte Busverbindungen. Alle Wege müssen mit dem Auto zurückgelegt werden - und diese Wege sind oft weit.  

Doch dem Savoir-Vivre, dem berühmten Lebensgefühl der Franzosen, schaden diese Widrigkeiten nicht, berichtete Beltramelli schmunzelnd. Auch hier beginnt die Arbeitszeit viel später am Tag, als in Deutschland üblich, dafür wird allerdings abends bedeutend länger gearbeitet. Dazwischen ist eine zwei- bis dreistündige Mittagspause üblich, in der – möglichst mit der ganzen Familie – zu Mittag gegessen wird. Weil auch auf das abendliche Essen viel Wert gelegt wird, das frühestens um 19:00 Uhr beginnen kann, gibt es eine deutliche Zeitverschiebung zu Deutschland, die auch Auswirkungen auf das Fernsehprogramm hat. „Nachrichten um 20:00 Uhr gibt es nicht – da essen die Franzosen noch“, betont sie.  

Französische Genussmomente gab es an diesem Abend auch: In der Pause konnte bei angeregten Gesprächen zu Baguette und Rotwein ein Chaource, ein Kuhmilch-Weichkäse aus der Region, geschlemmt werden.  

In der Veranstaltungsreihe steht als Nächstes der Online-Kurs der KVHS, „Aktuelles in der Presseschau – Im Fokus: Frankreich wählt“ an. Und am Donnerstag, 28. April, heißt es im Bürgerhaus Wolfskehlen: „Chamapgne aus erster Hand – Prickelnde Geschichten aus Frankreich“ mit Autorin Linde Richter, die sich einen Jugendtraum erfüllt hat und ein altes Fachwerkhaus in der Champagne gekauft hat.  

Weitere Informationen und Tickets gibt es bei der Kreisvolkshochschule, Telefon 06152 18700, info(at)kvhsgg.de

Das Foto wurde von Sebastian Hauptmann zur Verfügung gestellt.