Grabentaschen in Erfelden
Inhalt
- Projektbeschreibung
- Pflanzen- und Tierwelt
- Lage und Ausführung
- Autorenhinweise
- Fotodokumentation
- Erste orientierende Untersuchungen
- Ergebnisse 2002
1 Projektbeschreibung
Die Stadt Riedstadt hat im Oktober 2002 am Erfelder Hauptgraben in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet "Großes Michelried von Erfelden" zwei sog. Grabentaschen angelegt. Als Grabentaschen werden punktuelle seitliche Aufweitungen von Gräben bezeichnet.
Ziel der Anlage solcher Grabentaschen ist es, in naturfern ausgebauten Gewässern neue und zusätzliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Weiterhin bieten Grabentaschen Rückzugsmöglichkeiten für Tiere, die im Graben leben (z.B. während der jährlichen Grabenpflege).
Das Ausgangsgewässer: Der Erfelder Hauptgraben
Der Erfelder Hauptgraben ist ein - im Regelfall - ganzjährig wasserführender Graben, der an der Kläranlage Erfelden beginnt. Von hier aus fließt er in nordwestlicher Richtung entlang der "Mönchswiese", der "Nachtweide" sowie durch das Naturschutzgebiet "Großes Michelried von Erfelden" bis zum Pumpwerk Kammerhof, von wo aus er in den Rhein entwässert. Die Fließlänge von der Kläranlage Erfelden bis zum Pumpwerk Kammerhof beträgt 4.298 m.
Der Graben weist nach der "Gewässerstrukturgütekarte des Landes Hessen" von 1999 die Strukturgüteklasse 7 (vollständig verändert) auf. Die Strukturgüte ist ein Mittel zur Einschätzung des Gewässerzustandes. Sie beurteilt auf einer Skala von 1 bis 7 Gewässer im Hinblick auf ihre Natürlichkeit.
Strukturgüteklasse 1 naturnah, unverändert
Strukturgüteklasse 2 gering verändert
Strukturgüteklasse 3 mäßig verändert
Strukturgüteklasse 4 deutlich verändert
Strukturgüteklasse 5 stark verändert
Strukturgüteklasse 6 sehr stark verändert
Strukturgüteklasse 7 vollständig verändert
Weiterhin wies der Erfelder Hauptgraben nach der Defizitkarte der Gewässerstrukturen (Blatt 6116 SO) des Landes Hessen von 1999 im Abschnitt, in dem die Grabentaschen angelegt wurden, vor Anlage der Grabentaschen folgende Strukturmängel auf:
- Trapezförmiges, tiefes Regelprofil des Grabens mit ingenieurbiologischem Verbau und einem die Durchgängigkeit des Ufers unterbrechenden Wegedurchlass,
- an beiden Ufern kein Ufergehölz,
- kein Uferrandstreifen,
- teilw. gewässerunverträgliche Nutzung direkt angrenzend (Acker als Quelle von Nähr- / Schadstoffeintrag in das Gewässer).
Von der Idee zur Ausführung
Die Idee zum Bau von Grabentaschen in der Gemarkung Erfelden ist im Jahr 2000 im Rahmen der Lokalen Agenda 21 der Stadt Riedstadt (Gruppe "Außenrum") entstanden.
Mit dem Bau der Grabentaschen sollt das Lebensraumgebot erhöht sowie insbesondere die im Erfelder Hauptgraben noch vorhandenen Restbestände von Fischen geschützt werden, indem damit neue Laichmöglichkeiten im ansonsten überwiegend strukturarmen Gewässer geschaffen werden.
Im Jahr 2001 wurde die Genehmigungsplanung für zwei Grabentaschen vom Umweltamt der Stadt Riedstadt erstellt und zur Genehmigung bei der unteren Wasserbehörde in Groß-Gerau eingereicht. Diese genehmigte den Bau der Grabentaschen am 18.02.2002.
Parallel dazu beantragte die Stadt Riedstadt beim Land Hessen Fördermittel aus dem "Landesprogramm naturnahe Gewässer". Mit diesem Programm werden "Grunderwerb und bauliche Maßnahmen, die der naturnahen Entwicklung eines Fließgewässers dienen" gefördert. (Nähere Informationen erhalten Sie beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten.
Im Mai 2002 wurde der Stadt Riedstadt diese Förderung bewilligt, sodass die Umsetzung des Projektes angegangen werden konnte. Nach der Ausschreibung der Baumaßnahme und dem Abschluss eines Bauvertrages wurden die Grabentaschen im Oktober 2002 von der Firma Preißinger, Erd- und Abbrucharbeiten, aus Groß-Rohrheim gebaut.

Grabentasche 1 nach Fertigstellung (mit verschieden geneigten Böschungen sowie die Sohle mit verschiedenen Tiefenstufen und Inseln bei Niedrigwasser)
Besonderer Wert wurde beim Bau auf eine vielfältige Sohlen- und Böschungsgestaltung mit unterschiedlichen Tiefen und Böschungsneigungen gelegt. Damit soll auf engem Raum die Entstehung einer Vielzahl an Kleinstlebensräumen mit unterschiedlichen Wasserverhältnissen und unterschiedlicher Besonnung ermöglicht werden.
Die entstandenen Böschungen werden der Selbstbegrünung überlassen, um die Ansiedlung einer standortgerechten Vegetation zu fördern. Die Pflege der Grabentaschen wird von der Stadt Riedstadt in Abstimmung mit dem Astheim-Erfelder-Entwässerungsverband durchgeführt. Dabei wird darauf geachtet, dass sich keine Neophyten (Pflanzen, die aus fernen geografischen Regionen stammen und teilweise so konkurrenzstark sind, dass sie die standorttypische Vegetation verdrängen) ansiedeln und ausbreiten können.
Die Maßnahme dient der Umsetzung des kommunalen Landschaftsplanes sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000, gemäß derer bei erheblich veränderten oder künstlichen Gewässern ein gutes ökologisches Potential und ein guter chemischer Zustand innerhalb von 15 Jahren zu erreichen sind.
Näheres zur Europäischen Wasserrichtlinie erfahren Sie beim Bundesumweltministerium.
2 Pflanzen- und Tierwelt
Mit dem Ziel, die tatsächlichen Auswirkungen des Baues zweier Grabentaschen am Erfelder Hauptgraben auf die Pflanzen- und Tierwelt einschätzen zu können, werden begleitende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Mit der Durchführung dieser Untersuchungen hat das Umweltamt der Gemeinde Riedstadt den in Erfelden ansässigen Biologen Dr. Egbert Korte beauftragt, der bereits im Rahmen seiner Doktorarbeit umfangreiche Untersuchungen zur Fischfauna in der hessischen Rheinaue durchgeführt hat. (Diese Dissertation ist 1999 unter dem Titel "Bestandsentwicklung der Fischarten der hessischen Rheinaue 1994-1997" in der Schriftenreihe der Hessischen Landesanstalt für Umwelt (heute: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie) veröffentlicht worden und dort erhältlich.
Im Rahmen dieser begleitenden Untersuchungen wurde 2001/2002 zunächst die Tier- und Pflanzenwelt des Grabens vor dem Bau der Grabentaschen erfasst. In den Jahren 2003 und 2004 werden die Untersuchungen fortgesetzt und abgeschlossen.
Grabentaschen im Bereich des Pumpwerks Kammerhof
Erste orientierende Untersuchungen, vorgelegt von Dr. Egbert Korte & Dipl. Biol. Wolfram Sondermann im Dez. 2001
Ergebnisse 2002, vorgelegt von Dr. Egbert Korte.
3. Lage und Ausführung
Klicken Sie hier für eine Bauzeichnung in der die Lage der Grabentaschen eingezeichnet ist.
Klicken Sie hier für Bauzeichnung und Schnitt Grabentasche.
Klicken Sie hier für Grabenprofil vor Bau der Grabentaschen
4. Autorenhinweise
Kapitel 1,3,5: Text, Karten und Fotos: Matthias Harnisch
Kapitel 2: einleitender Text: Matthias Harnisch, dann Text, Karten, Fotos Dr. Egbert Korte
© 1998 - 2010 Stadt Riedstadt



