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[26.02.2010] Pionierbrücke als Rheinzugang erhalten

Ludwig Jung (r.) überreicht Unterschriftenlisten an Erika Zettel
Ludwig Jung (r.) überreicht Unterschriftenlisten an Erika Zettel

Ludwig Jung vom Heimat- und Geschichtsverein Leeheim übergibt Unterschriftenlisten an Erste Stadträtin Erika Zettel

"Die Unterzeichnenden beantragen, dass sich die Stadt Riedstadt nachdrücklich dafür einsetzt, dass die sogenannte Pionierbrücke als Zufahrt zum Schusterwörth und zum Rhein erhalten bleibt". Insgesamt 659 Bürgerinnen und Bürger haben diese Aufforderung bislang unterschrieben. Die Unterschriftenlisten wurden dieser Tage von Ludwig Jung, dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Leeheim, der Ersten Stadträtin Erika Zettel bei einem Termin im Riedstädter Rathaus überreicht.

Seit mehr als hundert Jahren ist die Pionierbrücke die einzige Möglichkeit, auf kurzem Wege auf die Halbinsel Schusterwörth zu gelangen. Die Bewirtschaftung der dortigen Grundstücke, die erforderlichen Arbeiten am Rheinufer und für Notfalleinsätze von Feuerwehr und DLRG sei die Brücke unverzichtbar, erläuterte Jung, der mit einigen Mitstreitern zu dem Termin im Rathaus gekommen war. Der Schusterwörth sei ein beliebtes Naherholungsgebiet für zahlreiche Mitbürger und Naturfreunde, welche die Brücke als Zufahrt zum Parkplatz nutzen. Die Unterschriftenaktion, die der Heimat- und Geschichtsverein gemeinsam mit den örtlichen Angelsportlern organisiert hatte, wurde bislang von Bürgern aus insgesamt 36 Kommunen unterstützt - darunter auch Naturfreunde aus Frankfurt, Hanau, Maintal, Offenbach, Mainz und Wiesbaden.

Bei dem Gesprächstermin erläuterten Erste Stadträtin Erika Zettel und Fachbereichsleiter Hans Domes die Position der Kommune. Dabei wurde deutlich, dass die Unterschriftenaktion im Rathaus gewissermaßen "offene Türen einrennt". Auch die Stadt verlangt schon seit langem, dass die seitherige Eigentümerin des Geländes - das Land Hessen - für die Sanierung des Brückenbauwerks aufkommt. In monatelangem Schriftwechsel zwischen der Stadt und dem Regierungspräsidium sei bislang noch keine abschließende Regelung gefunden worden, erläuterte Zettel. Mittlerweile nehme die Kommune anwaltliche Hilfe in Anspruch, um ihre Interessen wahrzunehmen.

Das Regierungspräsidium hatte zuletzt der Stadt Riedstadt einen einmaligen Betrag von 50.000 Euro angeboten, wenn die Brücke in das Eigentum der Kommune überginge und diese eigenständig für die Sanierung und die laufende Unterhaltung sorge. Für Hans Domes ist es jedoch allein mit der Brückensanierung nicht getan. Nach Einschätzung des Magistrats könne eine entsprechende Zusage zum Präzedenzfall für die anderen Verkehrswege und Brücken im gesamten Gebiet der Knoblochsaue werden.

Die Knoblochsaue, jenseits des Rheinwinterdeiches, mit ihren rund 1500 Hektar gehört zu 73 Prozent dem Land Hessen und zu 17 Prozent dem Bund. Die Flächen der Stromtalwiesen im Eigentum Riedstadts machen lediglich einen Anteil von 3,8 Prozent aus. Sämtliche Feld- und Waldwege sind im Eigentum von Land und Bund - deshalb sollten nach Einschätzung der Stadt die beiden Haupteigentümer auch für die Verkehrssicherheit und den Wegeunterhalt aufkommen. Bei einer Gesamtwegelänge von rund 30 Kilometer käme andernfalls eine enorme finanzielle Belastung auf die Kommune zu.

Neben dem Erhalt der Pionierbrücke als Zugang zum Schusterwörth und zum Rheinufer geht es in dem Streit zwischen Stadt und Regierungspräsidium um Fragen der Verkehrsbedeutung. Das Regierungspräsidium hatte bereits im April 2008 die Auffassung vertreten, dass der Weg zum Schusterwörth "überwiegend dem Verkehr innerhalb einer Gemeinde oder dem Verkehr zwischen Gemeinden" diene. "Der Straßenzug ist deshalb als Gemeindestraße einzustufen; die Baulast liegt somit bei der Kommune, so dass diese auch für die Unterhaltung des Weges inklusive des Bauwerks verantwortlich ist", hieß es in einem Schreiben an den Riedstädter Magistrat.

Was über viele Jahrzehnte galt, soll nun plötzlich angesichts leerer Kassen nicht mehr gelten. Die Stadt will sich weiterhin gegen eine Verlagerung der Kosten "nach unten" wehren. "Insoweit können die gesammelten Unterschriften die Position der Stadt gegenüber dem Land stärken", erklärte Erika Zettel abschließend.

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