Stolpersteinprojekt wandert nach Leeheim

Paten und weitere Interessenten für Projektgruppe gesucht

Gunter Demnig verlegt in der Frd.-Ebert-Straße drei Stolpersteine für die Familie Morgenthau, die sich vor der Verfolgung nach Argentinien retten konnten
Gunter Demnig verlegt in der Frd.-Ebert-Straße drei Stolpersteine für die Familie Morgenthau, die sich vor der Verfolgung nach Argentinien retten konnten

Bei der siebten, am 10. November vorgesehenen Stolpersteinverlegung in Riedstadt wird erstmals der Opfer des Nationalsozialismus im Stadtteil Leeheim mit den kleinen Denkmalen im Bürgersteig gedacht. Die Projektgruppe zur Organisation der Stolpersteinverlegungen in Riedstadt kommt hierfür unregelmäßig zu Sitzungen im evangelischen Gemeindehaus (Klappergasse 6, Riedstadt-Leeheim) zusammen. 

Stolpersteine sind kleine Betonquader, die vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz in den Boden eingelassen werden und mit einer kleinen Messingtafel die Lebensdaten der jeweiligen Person dokumentieren. Das mittlerweile europaweite Kunstprojekt des Kölners Gunter Demnig erinnert damit an die vielen namenlosen, von den Nationalsozialisten verfolgten, ermordeten oder vertriebenen Mitmenschen.  

Schon seit 2014 werden solche Stolpersteine in Riedstadt verlegt. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Jahr 2012 mit großer Mehrheit die Beteiligung beschlossen und dem Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau die Organisation und Koordination übertragen.  

Zwischenzeitlich sind die kleinen Denkmale bereits in Wolfskehlen und Goddelau zu sehen. In Crumstadt – wo in den 1930er Jahren die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Kreis Groß-Gerau existierte – steht gegenwärtig noch das Erinnern an Familie Mayerfeld, die früher in der Walther-Rathenau-Straße 23 lebten, aus. Voraussichtlich am 10. November (Freitag) sollen dort die vier letzten Stolpersteine für Crumstadt verlegt werden.  

Dann wechselt das Projekt in den Stadtteil Leeheim. Dort hat bereits der Heimat- und Geschichtsverein seine Unterstützung zugesagt. Das umfangreiche Archiv an Dokumenten und Fotos im Leeheimer Heimatmuseum steht der Projektgruppe für ihre Recherchen zur Verfügung. Den Aktiven der Projektgruppe ist genau wie dem Künstler Gunter Demnig besonders wichtig, dass zu jedem Stein bzw. zu jeder Familie ein möglichst umfassend dokumentiertes und beweisbares Lebensschicksal erforscht wird. 

Interessierte sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen und können sich beim Vereinsvorsitzenden Walter Ullrich melden. Gesucht werden aber vor allem auch weitere Sponsoren der Aktion. Wer die wertvolle Erinnerungsarbeit unterstützen möchte, kann entweder einen beliebig hohen Betrag spenden oder auch gleich eine Patenschaft für einen der Steine übernehmen, wofür einmalig ein Betrag von 120 Euro zu zahlen ist. Die europaweite Kunstaktion ist als gemeinnützig anerkannt, so dass der Förderverein entsprechende Spendenbescheinigungen ausstellen darf.  

Für weitere Auskünfte dazu steht der Vorsitzende des Fördervereins, Walter Ullrich (Ringstraße 50, 65468 Trebur-Geinsheim, Telefon 06147 8361, E-Mail: walter.ullrich(at)freenet.de) gerne zur Verfügung.