Stiftung schreibt wieder schwarze Zahlen

Pflegediensteinrichtung in Erfelden ist „auf einem sehr guten Weg“

Domizil der Stiftung Soziale Gemeinschaft in der ehemaligen Schule in der Erfelder Wilhelm-Leuschner-Straße
Domizil der Stiftung Soziale Gemeinschaft in der ehemaligen Schule in der Erfelder Wilhelm-Leuschner-Straße

Die Stiftung Soziale Gemeinschaft in Riedstadt wurde schon 1991 als gemeinnützige Pflegeeinrichtung gegründet und wird organisatorisch und finanziell als Nachfolgeorganisation der Gemeindeschwesterstationen von der Stadt getragen. Dabei muss sich der Bereich des ambulanten Pflegedienstes allein aus eigenen Einnahmen finanzieren und darf rechtlich nicht durch öffentliche Steuermittel subventioniert werden. Schon im Jahr 2013 geriet die bei den Kunden sehr beliebte und anerkannte Einrichtung in eine finanzielle Schieflage, die mittlerweile aufgearbeitet ist. Mit der Vorlage des Jahresberichtes 2016 schreibt die Stiftung erstmals wieder „schwarze Zahlen“.  

Zu einem Pressegespräch luden kürzlich die Mitglieder des Stiftungsvorstandes, Riedstadts Bürgermeister Marcus Kretschmann, Stadtrat Richard Kraft und der Fachbereichsleiter Öffentliche Ordnung und Soziales, Richard Malz-Heyne sowie die Geschäftsführerin der Stiftung Andrea Deister ein. Dabei wurden die erfreulichen Zahlen erläutert. Der neue Riedstädter Bürgermeister Marcus Kretschmann dankte allen Verantwortlichen und insbesondere dem Personal für den jetzt nachweisbaren Erfolg. „Durch die sehr akribische Arbeit von Frau Deister und dem damaligen Vorstand sowie das hohe Engagement der Mitarbeiter können wir heute sagen, die Stiftung ist auf einem sehr guten Weg.“  

Die Einrichtung für ambulante Pflege hat – im Gegensatz zu vielen privaten Anbietern – keine Profitabsicht. Dennoch muss sie zukunftssicher mit dem erwirtschafteten Geld auch die nötigen Ausgaben finanzieren. Dabei gehört es zum Standard, dass die Stiftung als Arbeitgeber die Mitarbeiter nach dem gültigen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes entlohnt. Auch das ist für andere Mitbewerber alles andere als selbstverständlich.  

Einen ganz wesentlichen Baustein zur Krisenbewältigung legte das Personal mit auf den Tisch der Verhandlungen. In Tarifsanierungsverhandlungen zwischen dem Kommunalen Arbeitgeberverband und der Gewerkschaft Verdi wurde zur Erhaltung der Arbeitsplätze eine bis 2019 laufende Vereinbarung abgeschlossen, wonach auf Teile der Jahressonderzahlungen und des Leistungsentgeltes verzichtet wird.    

Wie meistens hat der Erfolg aber mehrere Mütter und Väter: Umfangreiche Umstrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen wurden umgesetzt, die schließlich dazu führten, dass im vergangenen Jahr ein Gewinn von 24.000 Euro erzielt werden konnte.  

Der erstmals seit fünf Jahren wieder ausgewiesene Gewinn wäre sogar noch um 19.000 Euro höher ausgefallen. Soviel hat jedoch die Rückabwicklung der unwirtschaftlichen „Servicepunkt Pflege GmbH“, eine Stiftungstochter für den Verkauf von Pflegebedarf und die Bereitstellung von Hausmeisterdiensten, gekostet.  

Insgesamt haben die Mitarbeiter die komplexen Umstrukturierungen als besondere Herausforderungen erlebt, erklärte Geschäftsführerin Deister. „Aber allen war klar, dass es nur diese Möglichkeit gibt.“ Es wurde in allen Bereichen analysiert, Arbeitsabläufe optimiert und die Stiftung damit ein Mal „komplett auf den Kopf gestellt“, wie sich Vorstandsmitglied Richard Malz-Heyne ausdrückt.  

Bei aller Freude über den Erfolg der vielen Bemühungen schätzt Bürgermeister Kretschmann die Lage aber realistisch ein: „Das war ein erster wichtiger Schritt – aber wir sind noch nicht am Ziel“. Zum einen läuft in zwei Jahren der Tarifsanierungsvertrag aus. Zum anderen müssen die in der Vergangenheit aufgelaufenen und über einen Bankkredit finanzierten Schulden bis 2026 getilgt werden.  

Deshalb geht kein Weg daran vorbei, die begonnen Umstrukturierungen fortzuführen. So sei beispielsweise im vergangenen Jahr die Planstelle für die Hauswirtschaftsleitung mit einem Verwaltungsanteil von 100 Prozent aufgelöst und dem Bereich Pflege zugeordnet worden. Die Geschäftsführerin sieht darin das Ergebnis eines Umdenkens, bei dem die einzelnen Abteilungen permanent nach Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Mittlerweile erhält der Stiftungsvorstand einmal monatlich eine betriebswirtschaftliche Analyse, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können.  

Neben der Optimierung gehörten zu den Sanierungsmaßnahmen auch nötige Preisanpassungen, die sicher bei den Patienten keine helle Freude auslösten. Außerdem wird mittlerweile stärker darauf geachtet, alle erbrachten Leistungen auch abzurechnen. Die Stiftung legt dabei viel Wert auf Information und Beratung. Die Patienten werden über ihnen zustehende Leistungen und nicht verbrauchte Budgets der Pflegeversicherung regelmäßig informiert.  

Dass die Stiftung das Vertrauen ihrer vielen Patienten verdient, macht die jüngste Qualitätsüberprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen deutlich: Ende 2016 wurde von dort die Gesamtnote 1,0 attestiert (wir haben berichtet) – „Eine Traumnote die allen Mitarbeitern zu danken ist.“, so Andrea Deister abschließend.  

Mehr Informationen zur Stiftung allgemein unter www.stiftung-riedstadt.de.