Shakespeare im Club der Dichter

Textentdeckung „Die Fremden“ wird am Sonntag, 30. April in der Büchnerbühne Riedstadt vorgestellt

Buchcover "Die Fremden"
Buchcover "Die Fremden"

Im „Club der Dichter“ stellt Theaterleiter Christian Suhr von der Büchnerbühne regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Riedstadt und der örtlichen Buchhandlung Faktotum interessante Bücher vor und will damit zu eigenen literarischen Entdeckungen animieren. Die Veranstaltungsreihe für Bücherfreunde wird am Sonntag, 30. April fortgesetzt. Das Theatercafé der Büchnerbühne (Riedstadt-Leeheim, Kirchstraße 16) öffnet bereits ab 10:00 Uhr mit einem Frühstücksangebot, das gesondert zu zahlen ist. Die Lesung beginnt um 11:00 Uhr.  

Diesmal geht es um eine Buchentdeckung der ganz besonderen Art. Erst kürzlich verifizierten Experten die Urheberschaft für einen handschriftlichen Text, der um 1604 entstanden ist und zweifelsfrei teilweise aus der Feder William Shakespeares stammt.  

Im Herbst vergangenen Jahres wurde der Text erstmals als Taschenbuch unter dem Titel „Die Fremden“ auf Deutsch veröffentlicht. Der über vierhundert Jahre alte Text liest sich heute – vor dem Hintergrund der sogenannten Flüchtlingskrise – wie ein flammendes Plädoyer für ein menschenwürdiges Miteinander. Dringlich, eindrücklich, von erschütterter Aktualität.   Schon immer feiern Kenner die zeitlose Aktualität Shakespeares – seine Komödien und Dramen erzählen universelle Geschichten, die bis in unsere heutige Zeit ihre Parallelen aufweisen. „Die Fremden“ geht zurück auf ein von der Zensur verbotenes Theaterstück, das von fünf verschiedenen Autoren im Kollektiv verfasst wurde. Das Stück „Sir Thomas Morus“ schildert biografisch den Aufstieg und Fall des berühmten Humanisten, Staatskanzlers und Philosophen zu Zeiten des Königs Heinrich VIII. Kernthema ist der humane Umgang mit den Hugenotten, die zu Shakespeares Zeiten in England Zuflucht suchten.  

Für Heribert Prantl, der das Vorwort des kleinen Büchleins verfasst hat, „grassierten damals die nämlichen Vorurteile gegen die Hugenotten, wie sie heute gegen die Muslime grassieren; und es gab Einheimische, die meinten sie müssten sich mit Gewalt gegen die Fremden wehren“. Der große Appell an den Anstand und die Menschlichkeit, wie ihn Shakespeare für Thomas Morus formuliert, vermag den Leser von heute zu packen und anzurühren. Im Wissen um die vierhundert Jahre, die seitdem vergangen sind, könnte man aber auch resignieren.