"Ein Mensch mit Werten und Zielen"

Blumen für die Ehefrau (v.l. Iris und Gerald Kummer, Erika Zettel)
Sängervereinigung Wolfskehlen stellt das Hessenlied vor
Zeugenbefragung zur Puhlkannel-Affaire
Bernd Achtzehnter und die Wolfskehler Gitarrenfreunde
Ton angebend bis zum Schluss

Riedstadts Bürgermeister Gerald Kummer wird mit Bürgerempfang aus seinem Amt verabschiedet

Ein lockeres, ungezwungenes Fest statt einer akademischen Feierstunde - das wünschte sich Gerald Kummer zu seiner Verabschiedung aus dem Amt des Bürgermeisters. "Im Rückblick auf den Bürgerempfang am vergangenen Freitag (5.) lässt sich feststellen: Mission erfüllt", so Erika Zettel, die momentan als Erste Stadträtin die Funktion des Bürgermeisters wahrnimmt.

Zu dem Abschiedsfest hatte der Magistrat in die Goddelauer Christoph-Bär-Halle eingeladen. Rund 300 Gäste aus der Kommunalpolitik, Rathausbeschäftigte, Vereinsvertreter, Nachbarbürgermeister und Vertreter von Banken und Institutionen der Region waren der Einladung gefolgt. Gerald Kummer war Anfang Oktober mit seiner Wahl zum hauptamtlichen Kreisbeigeordneten aus seinem Amt als langjähriger Bürgermeister ausgeschieden (wir haben berichtet). Statt mit hymnischen Reden sollte der Ehrengast des Abends vor allem mit einem bunten Bühnenprogramm überrascht werden.

Alleine Erika Zettel durfte die Gelegenheit nutzen, die 17-jährige Amtszeit des dreimalig gewählten Bürgermeisters im Rückblick zu bilanzieren. In teilweise launigen Worten lobte sie die Qualitäten des "neuen Alt-Bürgermeisters". Er habe im Laufe seiner Amtszeit Riedstadt zu einer familienfreundlichen, fünffach liebens- und lebenswerten Stadt entwickelt. Sie beschrieb Kummer als Mensch mit Idealen und großem Engagement, mit Gespür für Solidarität und Gerechtigkeit, mit festen menschlichen Werten und ehrgeizigen Zielen. "Ein Volkstribun, ein ungekrönter König wie in manchen Nachbarorten warst Du nie - dafür sind die Riedstädter zu speziell und zu kritisch", analysierte Zettel und hatte damit die Lacher auf ihrer Seite. Die Erste Stadträtin erwähnte auch die besonderen Herausforderungen eines Bürgermeisteramtes: Die Abwägung zwischen Gemeinwohl und Einzelinteressen, Stadtteildenken und Lobbyismus. "Gerald Kummer musste in den 17 Jahren notgedrungen manchen Spagat vorturnen." Angesichts dessen sei es fast ein Wunder, dass nun schon sechs Kandidatinnen und Kandidaten "in die großen Fußabdrücke eintreten" wollen, erklärte sie.

Die musikalische Eröffnung des Abends hatte das Orchester der Akkordia Crumstadt übernommen. Doch schon eine halbe Stunde vorher bildete sich am Eingang der Bär-Halle eine lange Schlange. Geladenen Gäste und Bürger wollten sich persönlich und mit Handschlag von ihrem Bürgermeister verabschieden.

Musikalisch weiter ging es mit einem Auftritt der Wolfskehler Sängervereinigung, die unter anderem das "Hessenlied" vorstellten. Die Akkordeon-AG der vierten Klasse der Grundschule Erfelden brachte ein Ständchen und überzeugte mit ihrer rhythmischen Vorstellung das Publikum. Die Gitarrenfreunde aus Wolfskehlen schließlich brachten mit ihren schwungvollen Melodien den Bürgermeister sogar zu einer spontanen Tanzeinlage.

Beim Sketch des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfskehlen bekam der Ehrengast schließlich einen humorvollen Einblick in die komplizierten Aufgaben eines Bürgermeisters früherer Zeit. Die Puhlkannel-Affaire, die vom örtlichen Schultheiß mit einer intensiven Zeugenbefragung aufgeklärt werden sollte, stellte schließlich den Bürgermeister selbst vor eine peinliche Offenbarung. Mundartliche Dialoge und die Spielfreude der Agierenden auf der Bühne sorgten für große Heiterkeit im Saal. Hans Schaffner hatte schließlich noch zehn Regeln im Umgang mit Bürgermeistern parat, die sich über Anrufe an Wochenenden ebenso freuen, wie über originelle Beschwerden ("Warum hat es in Gernsheim geschneit und in Wolfskehlen nicht?")

Theaterleiter Christian Suhr von der Büchnerbühne überbrachte als Politikerkollege die besten Wünsche zum Abschied. Er berichtete in seiner Laudatio von zwei herausragenden, politischen Menschen im Kreis Groß-Gerau: „Gerald Büchner und Georg Kummer“. Während Büchner schon drei Jahre nach seiner Geburt nach Darmstadt verzog, habe Kummer bis heute seinen Einfluss auf die politische Landschaft im Kreis. Auch vermeintliche Versäumnisse, wie die fehlende Transrapid-Verbindung zwischen den Stadtteilen Leeheim und Wolfskehlen können dem positiven Bild nach 17 Jahren nichts anhaben, so der Schauspieler. Selbst der Vergleich mit dem großen Frankfurter Johann Wolfgang Goethe ging beim Laudatoren letztendlich zugunsten Kummers aus.

Hortkinder aus der Goddelauer Kindertagesstätte Kinderland präsentierten anschließend ihre Tanz-Performance mit dem Mega-Hit "Satellite" von Lena und überreichten dem scheidenden Bürgermeister ein Riedstadt-Spiel. Die Kinder hatten sich das Holzspiel, das nach dem Vorbild des traditionellen Gesellschaftsspiels Monopoly funktioniert, ausgedacht und mit viel Liebe zum Detail selbst gestaltet. (wir haben berichtet)

Gegen Ende des offiziellen Programms ergriff schließlich ein sichtlich bewegter Bürgermeister a. D. das Mikrophon und dankte allen "für den ganz tollen Abend und das besondere Geschenk, dass Sie alle heute hierher gekommen sind". Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Wolfskehlen setzte den musikalischen Schlusspunkt, nicht ohne ihrem ehemaligen Chef noch mal den Taktstock zu überreichen. Ein symbolisches Bild zum Ende eines Abends und zum Ende einer langen verantwortungsvollen Zeit.

Nach dem offiziellen Teil saß man noch lange bei Getränken und einem Imbiss, den die Bruderschaft des Laurentiusordens zubereitet hatte, beisammen. Erika Zettel konnte mit Freude feststellen, dass das Konzept für die Feier aufgegangen war: Ungezwungen, locker, manchmal lustig und gelegentlich auch ein kleines bisschen wehmütig.

Die Stadt dankt allen erwähnten Vereinen und Gruppen, die sich am Bühnenüberraschungs-programm beteiligt haben. Ein Dankeschön auch an die Pfungstädter Brauerei und das Weingut Sebastian und Ralf Erbeldinger aus Bechtheim für die Getränkespenden sowie dem Laurentiusorden Riedstadt für die leckeren Schnittchen. Für die viel gelobte Bühnendekoration danken wir den kreativen Frauen vom Landfrauenverein Wolfskehlen. Die Fotos zu unserem Bericht wurden uns freundlicherweise vom Festbesucher Günther Schmiele zur Verfügung gestellt.