Mittwoch, 25. Januar 2012
Fahrt zum Chawwerusch-Theater
Die Kulturämter der Südkreiskommunen bieten auch in diesem Jahr eine gemeinsame Theaterfahrt an. Am Samstag, 17. März sind Interessierte zur Exkursion in das bekannte Chawwerusch-Theater ins pfälzische Herxheim (bei Landau) eingeladen. Gezeigt wird dort ab 20:00 Uhr das Stück „Der Lavendel der Langgässer“, das sich mit der Geschichte der auch in unserer Region tätigen Lehrerin, Autorin und Lyrikerin Elisabeth Langgässer („Gang durch das Ried“) beschäftigt.
Als Lorle eine junge Frau aus Rheinzabern, morgens mit ihrer neuen Reiseschreibmaschine in den Zug steigt, ahnt sie nicht, dass sie bald aus der beschaulichen dörflichen Idylle herausgerissen und Zeugin einer der tragischsten Mutter-Tochter-Beziehungen im Deutschland der Nachkriegszeit wird. Die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer erwartet am selben Bahnsteig ihre Tochter Cordelia. Die Tochter hat Auschwitz überlebt und nun treffen sich Mutter und Tochter nach fünf Jahren der Trennung wieder. Beide ersehnen diese Begegnung. Und doch belastet etwas Dunkles, Geheimnisvolles das Wiedersehen. Lorle und mit ihr das ganze Dorf werden langsam hineingesogen in die Geschehnisse. In der Kirche, beim Friseur und im Wirtshaus, überall scheint die Sternguckerin, wie die Dorfbewohner die Langgässer nennen, präsent zu sein. Bis auch das Dorf sich die Frage stellen muss: Vergessen oder erinnern? Verschweigen oder verzeihen? Und kommt es tatsächlich soweit, dass nur noch der Gartenzwerg im Wirtshaus Hubertus die Antwort weiß?
Zwischen 1945 und 1955 galt Elisabeth Langgässer als eine der bedeutendsten Literatinnen Deutschlands. In der grausamen Arithmetik der Nazis als „Halbjüdin“ eingestuft, hatte sie während des Nationalsozialismus Publikationsverbot. In Alzey geboren, verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre 1948 bis 1950 in Rheinzabern. „Ein süßes Bauerndorf in der Pfalz – wie aus dem Bilderbuch genommen…“ wie sie schreibt. Aber lebte sie wirklich in einer Bilderbuchidylle, nachdem sie und ihre Familie mit dem sprichwörtlich letzten Zug aus dem belagerten Berlin entkommen konnte?
Mit dieser Produktion präsentiert das Chawwerusch-Theater einen außergewöhnlichen Blick auf Zeitgeschichte, von Ro Tritschler sorgfältig recherchiert und spannend in Szene gesetzt. Bei aller Tragik entfaltet „Der Lavendel der Langgässer“ aber auch eine zarte, unaufdringliche Komik.
Im Reisepreis von 29,00 Euro sind Bustransfer, Reisebegleitung und Theateraufführung enthalten. Karten gibt es in Riedstadt über das städtische Kulturbüro (Tel. 06158 - 930841/2, Fax: 930843 oder E-Mail: kultur@riedstadt.de) direkt am Goddelauer Büchnerhaus (Weidstraße 9). Auch während der üblichen Öffnungszeiten des Geburtshauses (donnerstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr) sind Karten an der Kasse erhältlich. Theaterfreunde aus Stockstadt wenden sich an die Gemeindeverwaltung (Telefon 06158 8290). In Biebesheim gibt es Teilnahmekarten bei Klaus Pautsch (Telefon 06258 80616) und in Gernsheim bei Hildegard Bolenz (Telefon 06258 10847). Die Veranstalter weisen vorsorglich darauf hin, dass erworbene Tickets nicht zurückgegeben werden können.
Der Theaterbus startet am 17. März um 17:00 Uhr am Goddelauer Kerweplatz und fährt dann über Stockstadt (Ortsmitte, 17:10 Uhr), Biebesheim (Museum, 17:20 Uhr) zur Gernsheimer Stadthalle (17:30 Uhr).
Die beiden Fotos stammen von Helmut Dudenhöffer



