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Aschenputtel-Geschichte des 20. Jahrhunderts

Biographischer Vortrag von Suzanne Bohn zu Francoise Giroud zum Internationen Frauentag

Francoise Giroud
Francoise Giroud

Anlässlich des Internationalen Frauentages laden das Kulturbüro und die Frauenbeauftragte der Stadt Riedstadt auch in diesem Jahr wieder zu einer Vortrags- und Leseveranstaltung am Goddelauer Büchnerhaus (Kunstgalerie, Weidstraße 9, Riedstadt-Goddelau) ein. Diesmal wird Suzanne Bohn am Donnerstag, 8. März ab 19:00 Uhr die Lebensgeschichte der französischen Journalistin und Ministerin Francoise Giroud (1916 - 2003) vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Die Karriere von Françoise Giroud, Tochter von türkisch-jüdischen Einwanderern, die sich im ersten Weltkrieg in Frankreich niederlassen, ist beispiellos. Eine Aschenputtel-Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mit 15 Jahren beginnt sie zu arbeiten, weil sie für den Unterhalt ihrer verwitweten Mutter und ihrer Schwester aufkommen muss. Das Schicksal - sie nennt es Arthur, das ist der Name ihres Schutzengels - will, dass sie vom jungen Regisseur Marc Allégret als Scriptgirl eingestellt wird. Dotiert mit einer wahnsinnig schnellen Auffassungsgabe, einem analytischen Verstand, der Fähigkeit, brillant zu formulieren sowie einem großen Anpassungspotential arbeitet sich das blutjunge, extrem fleißige Mädchen zur ersten weiblichen Regieassistentin und Dialogistin empor, in einem Milieu, das absolut Frauen verachtend ist. Françoise Giroud wirkt in etwa 30 Filmen mit. 

Als sich ihr 1945 die Gelegenheit bietet, als Co-Redakteurin der ersten modernen Frauenzeitschrift der Nachkriegszeit „ELLE“ mitzuarbeiten, packt sie sie beim Schopf. Sie entpuppt sich als die geborene Journalistin. Immer wieder in ihrem Leben wird sie die richtige Entscheidung im richtigen Moment treffen und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen.  So auch 1953, als sie  dem Mann ihres Lebens, Jean-Jacques Servant-Schreiber, dem Grand Seigneur des Journalismus, begegnet und mit  ihm die politische, links orientierte Wochenzeitschrift „L´Express“ gründet, die sie bis 1974 mit herausgibt. Wieder ist sie die erste und einzige Co-Direktorin einer Zeitung in einer von Männern dominierten Domäne. 

Die Autodidaktin, die nicht einmal Abitur hat, das Mädchen mit Migrationshintergrund, wie man heute sagt, wird zur einflussreichsten französischen Journalistin ihrer Zeit, zur Intellektuellen, deren spitze Feder zählt und gefürchtet wird. 1974 holt sie Präsident Giscard d´Estaing ins Staatsministerium, wo ihr das Frauenministerium anvertraut ist. 1977 wird sie Kultusministerin Frankreichs. Mit 62 Jahren beginnt sie dann eine weitere Karriere als Schriftstellerin. Ihre Biographien der Alma Mahler, der Cosima Wagner, der Jenny Marx und der Marie Curie werden zu Bestsellern und in etliche Sprachen übersetzt. Scharfe Intelligenz, bissiger Humor, umwerfende Erotik, unverwüstliche Energie  machten diese Kämpfernatur zu einer Ausnahmeerscheinung, einer Lichtgestalt, die ihren Platz im Jahrhundert fand. 

Suzanne Bohn wird durch eine bewegende Vita führen, die niemand unberührt lässt, denn wenn Arthur (ihr Schutzengel) Françoise Giroud beruflich zuverlässig zur Seite stand, so nahm er sich immer dann eine Auszeit, wenn sie ihn privat ganz dringend gebraucht hätte.

Der Vortrag über ein schillerndes Frauenschicksal muss nicht allein Frauen ansprechen - es dürfen sich auch männliche Besucher für Giroud interessieren.

Das Portraitfoto von Francoise Giroud ist der freien Enzyklopädie www.wikipedia.org entnommen und stammt von JJ. Georges.